En De Укр

Mobile Jugendarbeit

In Kiew und der Ukraine werden Hilfeleistungen für Kinder und Jugendliche fast ausschließlich von staatlichen Stellen und Organisationen erbracht, deren Kapazitäten und Methoden nicht annähernd ausreichen, um Wirksamkeit zu erzielen. Engagement von freien Trägern in der ukrainischen Sozialarbeit, wie in Deutschland üblich, ist in den aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht vorgesehen und damit nahezu unmöglich.

Die bestehenden staatlichen Strukturen sind in aller Regel mangelhaft ausgestattet und in ihren Arbeitsansätzen nicht darauf ausgelegt, präventiv und helfend in das Leben von Kindern und Jugendlichen einzugreifen. Nachhaltige sozialpädagogische Ansätze sind weitgehend unbekannt und sind zudem aufgrund mangelnder Qualifizierung der Jugend- und Sozialarbeiter nicht umsetzbar.

Das Konzept der mobilen Jugendarbeit steht für eine grundsätzlich andere, offenere Haltung im Umgang mit jungen Menschen in sozialen Notlagen. Als aufsuchendes und sozialraumorientiertes Jugendberatungs-konzept entstand es 1967 in Stuttgart. Mit Unterstützung der Diakonie als freier Träger entwickelte es sich als Ergänzung zur offenen Jugendarbeit, die gefährdete Jugendliche nicht erreicht. Mobile Jugendarbeit wird im Rahmen gruppen- und einzelfallbezogener Sozialpädagogik und Sozialarbeit umgesetzt. Sie ist stadtteil- beziehungsweise sozialraumbezogen und zielt darauf, Ausgrenzungsprozesse von Jugendlichen zu verhindern oder rückgängig zu machen. Dabei werden Ressourcen und Selbsthilfekräfte zur Lösung sozialer Probleme im Gemeinwesen genutzt und nachhaltige Lösungen angestrebt. In Deutschland gibt es heute in 1.200 Städten und Gemeinden Einrichtungen Mobiler Jugendarbeit.

Die Idee unseres Projektes in Kiew ist es, flexible und moderne Hilfe für Jugendliche dorthin zu bringen, wo der ukrainische Staat bisher an seine Grenzen gerät. Unterstützt von der Aktion Mensch haben wir gemeinsam mit der Internationalen Gesellschaft für Mobile Jugendarbeit - ISMO e.V., der Deutsch-Polnisch-Ukrainischen Gesellschaft in der Ukraine und dem Zentrum für Kinder in Not „Our Kids“ ein Pilotprojekt im Dniprovsky Stadtteil von Kiew aufgesetzt. Bis zum Frühjahr 2016 analysieren wir gemeinsam mit dem Institut für Jugend- und Familienpolitik des Ministeriums für Jugend und Sport sowie der Dragomanova Universität Kiew die soziale Situation von Jugendlichen in diesem Stadtteil. In mehreren praxisnahen Schulungen vermitteln wir Mitarbeitern von örtlichen Ämtern, NGOs, Polizei und Gerichten wichtige Fachkompetenzen und vernetzen alle relevanten Stellen miteinander. Nachfolgend planen wir ein erstes ukrainisches mobiles Jugendarbeitsprojekt in Trägerschaft des Zentrums „Our Kids“ aufzusetzen sowie ein Institut für Mobile Jugendarbeit im European-Ukrainian Youth Policy Centre in Kiew aufzubauen.

Es ist unser erklärtes Ziel international erfolgreich angewandtes Know-How aus Deutschland zu vermitteln, Wirkung über den Dniprovskiy Stadtteil hinaus zu entfalten und langfristig im ganzen Land neue, qualitativ bessere Standards zur Unterstützung von Kinder und Jugendlichen zu setzen. Unterstützen Sie uns dabei, dieses Ziel zu erreichen!